Der dunkle Augenblick der Erkenntnis

Michael Thalheimer inszeniert am Schauspiel Frankfurt Kleists „Prinzen von Homburg“ – mit unerbittlicher Härte für Ordnung und ohne Sinn für das Spiel.

Dies ist ein Abend nur für ein Bild. Für eine Haltung. Für einen großen Augenblick. Alles andere ist nichts, bleibt unbewegt, stumpf und absichtslos. Aber dieses eine Bild vom Prinzen, wie er allein im Dunkel hängt, oben an kalten Draht gekettet und unter ihm die gähnend leere Gruft, wie er da zappelt, schreit und um sein Leben fleht, das Bild bleibt haften. Brennt sich ein. In seiner echten Düsternis ist das ein Lichtblick an einem Abend voll falscher Dunkelheit.

Von Beginn an wirkt hier nämlich alles Böse nur künstlich ausgestellt: Mit Masken und verzögerten Schritten tritt Preußens Adel anfangs neben den Prinzen, reiht sich am Bühnenrand auf und spricht dumpf seine Sätze weg. Kleists Figuren wirken hier wie verkleidete Untote auf dem Heimweg vom Faschingsfest, die sich noch einmal an ihren Schattenwürfen freuen, bevor sie gleich das Kostüm ablegen und ins Warme treten. Ihre Körper sind starr, aber „krank“ ist hier niemand, schon gar nicht „der junge Mann“ in Socken und weißem Büßerhemd, der Prinz von Homburg, der angeblich fieberträumt. Ein bisschen fuchtelt er zwar wild ins Leere, wechselt immer wieder vom Stand- aufs Spielbein und lässt Handschuhe fallen. Von einer Entzündung der Seele, einem sinnverwirrten Leiden spürt man bei Felix Rech jedoch zunächst gar nichts, er ist nur ein harmloser, unempfindlicher Trottel, der bei der Kriegsplanung nicht richtig aufpasst.

Weiterlesen unter:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/kleists-prinz-friedrich-von-homburg-in-frankfurt-14515486.html

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